Vor nicht langer Zeit legte in der Netsel Marina in Marmaris ein höchst ungewöhnliches Schiff an – die Uluburun II, originalgetreu rekonstruiert nach einem Frachtschiff, das um 1300 v.Chr. vor Uluburun gesunken ist.
Wenn wir einmal von den beiden seitlichen Steuerrudern aus Platanenholz absehen, den Steinankern und natürlich dem riesigen quadratischen Segel, dann bemerkt man gar keinen so großen Unterschied zu den Frachtschiffen, die noch bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Mittelmeer unterwegs waren.
Das Projekt Uluburun II basiert auf einer Idee der Gruppe 360DERECE (360 Grad), die sich aus Kunsthandwerkern und Wissenschaftlern verschiedener Sparten zusammensetzt. Ihr Ziel ist der Nachbau von historischen Schiffen aus verschiedenen Epochen.
Neben Uluburun II stehen auf dem Programm die berühmten “Kayiks” aus Izmir und “Triremen” - antike Galeeren, die als Vorläufer der “Tirhandils”, der traditionellen Handels- und Schwammtaucherschiffe der Ägäis, gelten
1982 hatte der Schwammtaucher Mehmet Cakir das Wrack bei Uluburun, einer Landspitze unweit von Kaş (N 360 07,9' E 0290 41,0') entdeckt. Das Heck befand sich in 44 m Tiefe, während der Bug bei etwa 52 m lag. Einige Objekte waren in Tiefen bis 62m verstreut. Die National Geographic Society stellte die Mittel für die Hebung des Wracks zur Verfügung und 1984 begann ein Team unter der Leitung von Dr. George Bass von der Texas A&M Universität mit den Arbeiten unter Wasser. Nach der unglaublichen Anzahl von 22.400 Tauchgängen war genug Material beisammen, dass mit einer kompletten Rekonstruktion begonnen werden konnte, der Uluburun II.

Das Originalschiff sank während eines Sturms um 1300 v.Chr. Es war Bronze-Zeit, und die Verarbeitung von Eisen war noch nicht bekannt. In der Tat bestand die Ladung zum großen Teil aus Kupfer- und Zinnblöcken, dem Rohmaterial für Bronze. Neben der Hauptladung wurde eine große Anzahl an wertvollen Objekten – darunter ein Siegel der Königin Nofretete von Ägypten – dem “ewigen Schlaf” am Meeresgrund entrissen. Die geborgenen Überreste des Wracks werden heute im Museum für Unterwasserarchäologie in der Bodrumer Kreuzfahrerburg ausgestellt. Klicken Sie auf die Karte rechts für den genauen Fundort des Wracks.
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Unten einige Bilder vom Schiff Uluburun II, das sich gerade auf eine Fahrt rund ums östliche Mittelmeer vorbereitet.
Gute Reise, Uluburun!
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“Schwalbenschwanz”-Überblattung. Achten Sie besonders auf die Kalfaterung. Dies und weitere Details zeigen, dass schon im Bronze-Zeitalter im östlichen Mittelmeer ausgefeilte Techniken im Schiffsbau zur Anwendung kamen. |
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Blick in den Laderaum. Heute eignet er sich als gemütliche Kabine für die Besatzung |
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Die berühmten Stein-Anker. 1300 vor Christus – nicht einmal Holzanker waren damals erfunden. |
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Über zwei ausgeklügelte große Seitensteuer, Rudern ähnlich, wird das Boot manövriert. Sie sind aus Platanen-Holz. Das übrige Schiff ist aus Kiefer, an Stelle des heute nicht mehr verfügbaren Zedernholzes. |
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Leckende Abdichtungen – Seeleute in der Antike hatten mit dem Kalfatern die gleichen Probleme wie die Matrosen heutzutage. |
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Neu trifft alt. Eine Azimut Motor-Yacht im Hintergrund mit modernem Pflugscharanker neben dem antiken Stein-Anker. |
. Die “Tabled and Hooked Überblattung” oder “Phönizische Überblattung” der Römer ist bis heute eine der wichtigsten Holzverbindungen beim Schiffsbau.
" ÜBERBLATTUNG, die Verbindung zweier Holzstücke, deren Kanten so abgeschrägt sind, dass über die gesamte Verbindung hinweg die Dicke gleichbleibt. Bei der Konstruktion eines Holzschiffs werden Steven und Achtersteven per Überblattung mit dem Kiel verbunden. Eine Überblattung, die eine Stufe/einen Haken? in der Mitte der Verbindung hat, die das Auseinanderdriften der Verbindung verhindert, wird lock scarf genannt. Es handelt sich um eine bereits in der Antike, bei altägyptischen und phönizischen Schiffsbauern bekannte Holzverbindung.”
Aus: The Oxford Companion to Ships and the Sea, p. 756 Herausgeber Peter Kemp,
Oxford University Press, 1976 and 1988
Zitat
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